25.09.2021 09:20:22 | Mike Sprunkel
Handwerksbetriebe müssen die gleichen Zugriffsrechte und -möglichkeiten auf Daten haben wie Hightech­Konzerne - fordern die Junioren des Handwerks.
Daten sind das Öl unseres Jahrhunderts - wird oft behaup­tet. Fakt ist, dass datenbasierte Programme und Algorith­men zunehmend unseren Alltag prägen. Und dies im Beruflichen wie im Privaten. Aber was bedeutet das eigentlich für uns im Handwerk? Für viele von uns haben sich die Anforderun­gen und Werkzeuge in den letzten Jahren spürbar verändert. Die Verarbeitung „intelligenter" Produkte wie etwa Heizungsanlagen, Kraftfahrzeuge oder eines mit Sensoren ausgestatteten Boden­belags erfordern neue Herangehensweisen und Fertigkeiten. Viele Berufsbilder erfahren gegenwärtig eine spannende Entwicklung. Und wir werden mit ihnen wachsen und sie prägen. Schließlich ist das Handwerk eines der ältesten Gewerbe der Menschheit und von Beginn an einem stetigen Wandel unterzogen gewesen. Nut­zen wir also unsere Talente, unsere Neugier und Fertigkeiten, neue Technologien und Möglichkeiten fruchtbar zu machen, uns, unser Handwerk und unsere Betriebe 
zukunftsfähig weiterzuentwickeln. 

Dass dies gelingt, setzt eines voraus: den gleichberechtigten und fairen Zugang zu Daten. Wir im Hand­werk müssen die gleichen Zugriffs­rechte und -möglichkeiten auf Daten haben wie Hightech-Konzerne. Das bedeutet vor allem, einen Zugriff in Echtzeit, in derselben Datenqualität und demselben Datenumfang. Wir dürfen nicht abhängig sein von Platt­form- und Cloud-Angeboten indus­trieller Hersteller und· marktmächti­ger Geschäftspartner. Wir brauchen mehr denn je einen Wettbewerb auf Augenhöhe. Einen solchen Rahmen zu gewährleisten ist Aufgabe der Poli­tik. Es ist gut, dass mit der jüngsten Reform des Wettbewerbsrechts ein erster Schritt unternommen wurde, der Bedeutung von Daten für zukunftsfähige Geschäftsmodelle, notwendige Marktzugänge und der Wettbewerbsfähigkeit mittelständischer Betriebe Rechnuni zu tragen. Hieran sind weitere Maßnahmen anzuknüpfen.
 
Daten sind aber mehr als ein Wettbewerbsfaktor. Daten ge­ben Auskunft über uns und unsere Betriebe. Und das bis in den sensibelsten und schutzwürdigsten Kernbereich. Datenschutz wird allzu oft als unnötig, theoretisch und bürokratisch ver­schrien. Bei aller berechtigter Kritik wird dabei übersehen, dass jede und jeder von uns ein veritables Interesse an einem wirk­samen Datenschutz haben sollte. Oder wollen wir etwa den für Kunden und Konkurrenten gläsernen Betrieb? Wollen wir un­sere Kundendatei, unsere Kalkulationsgrundlagen und unsere Verbindlichkeiten veröffentlichen? Natürlich nicht. Dann lasst uns mehr in die Sicherheit der IT unserer Betriebe investieren, uns und unsere Beschäftigten besser schulen und liebgewonnene Ge­wohnheiten, wie die Nutzung von WhatsApp und Co. für unsere be­triebsinterne Kommunikation, kri­tisch hinterfragen. Wir brauchen ein stärkeres Bewusstsein für den Schutz unserer Daten und die Folgen unseres digitalen Handelns. Hierbei können uns die passgenau­en Beratungsangebote • der Hand­werksorganisationen helfen.  Daten sind das Öl unseres Jahr­hunderts? Ja, und genauso wie Öl werden Daten erst durch ihre Verede­lung und durch einen behutsamen Umgang zum Tretb- und nicht zum Zündstoff. Ich bleibe optimistisch, dass uns dieser Spagat gelingt. 

Quelle: patrick.11eumann@ha11dwerk-magazin.de